Psychotherapie – Eberhard Schneider

Praxis in Steinheim/Westf.

Bücherblog

Es gibt so unglaublich viele Bücher, die  in verschiedenen Lebenslagen helfen können, dass es DAS Selbsthilfebuch für irgendeine Lebenslage nicht geben kann. Es gibt immer viele….

Vielleicht können aber meine sehr persönlichen Leseeindrücke Appetit machen auf gute Leseerfahrungen. Ich eröffne das mal mit:

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

Dieses kleine Bändchen las ich zum erstenmal 1983 im Krankenhausbett. Ein guter Freund hatte es mir mitgebracht, weil ich in jenem Jahr mehrfach aus unterschiedlichen Anlässen im Krankenhaus lag und deswegen nicht immer gut gelaunt war. Dieses Buch hat gewirkt! Es bringt zum Schmunzeln, der Leser entdeckt eigene Gedankenfallen, mit denen er sich unglücklich machen kann, es steckt voller hintergründiger Geschichten, und nie kommt der belehrende Zeigefinger! Wie wohltuend! Einige der Ideen wurden später in anderen Büchern abgekupfert, aber dies bleibt das Original und der „Klassiker“.

Überhaupt: Geschichten! Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, eine Geschichte enthält oft so viele Bilder und Ideen, dass sie weit mehr erzählt als die vermeintliche „Aussage“.
Arjahn Brahm: Die Kuh, die weinte: Buddhistische Geschichten über den Weg zum Glück

Das ist beste Unterhaltung, lesbar auch im Liegestuhl und in der Badewanne, Geschichten über all die Möglichkeiten, die eigene Lebenserfahrung zu gestalten und mit schwierigen Gefühlen umzugehen. Die buddhistischen Lehrer sind bestrebt, Menschen zu helfen, ihre inneren Prozesse zu steuern, wovon diese Geschichten handeln, die belustigen können, zum Widerspruch oder Kopfschütteln anregen können, einen aber irgendwie packen. Es sind über 100 kleine Geschichten – einladend zu kurzer Lektüre, zum Innehalten und Nachdenken. Wer einen Eindruck von Arjahn Brahm und seinen Geschichten haben will und sein Englisch mag, findet einiges auch auf youtube.

Wer unter Überlastung und Erschöpfung leidet und bei der Ratgeberliteratur Hilfe bei der Bewältigung seiner Aufgaben sucht, könnte durch die Fülle des Angebots wiederum in Stress geraten. Viele Menschen suchen heute Hilfen, sich von der Überfülle und Überflutung mit Aufgaben und Anforderungen zu schützen und einen inneren Kompass für richtige Entscheidung zu finden. Ein Einstieg könnte sein:
Werner Tiki Küstenmacher mit Lothar J. Seiwert : Simplify your Life: Einfacher und glücklicher leben
Getreu ihrem Motto bemühen sich die Autoren, in einfacher und anschaulicher Form zu zeigen, wie man in seinem Leben Ballast abwerfen kann, überflüssige Dinge und Aktivitäten aufgeben kann und dadurch einfacher leben kann. Das Blättern in diesem Buch macht Spaß und motiviert dazu, zu entrümpeln und entmüllen. Dabei helfen auch die vielen Zeichnungen und Grafiken, die das Geschriebene gut illustrieren.

Stephen R. Covey, A. Roger Merrill, Rebecca R. Merrill- Der Weg zum Wesentlichen: Der Klassiker des Zeitmanagements
Hier gehts nicht darum, den Terminkalender maximal mit Aufgaben auszufüllen oder sich mit Aufgaben zu überladen. Sondern darum, wie man es schaffen kann, wertvolle Zeit einzuplanen, die der eigenen Erholung und dem eigenen Wachstum dienlich ist, und das jeden Tag. Und dass diese Zeiten – für Kontakt, Bewegung, Meditation, Spiritualität,  Kreativität – höchste Priorität besitzen. Wenn wir zu wenig von solcher Zeit haben, sind wir nicht mehr wirksam bei allem anderen, was wir tun. Diese zentralen Gedanken entwickelt Covey in seinen Büchern immer wieder sehr eindringlich und bildhaft. Die Lektüre ist ein Gewinn für jeden, der manchmal das Gefühl hat, nicht zu leben, sondern gelebt zu werden.- Von Covey gibts  Material auf youtube, das einen Eindruck von seiner Arbeit vermittelt (englisch). zB. http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=4GMHqd_-YUc

In sich gekehrt zu sein birgt das Risiko, in einer lauter gewordenen Umwelt schlecht zu Wort zu kommen, sich minderwertig zu fühlen gegenüber den lauteren und selbstsicher auftretenden Menschen. Mehr Mitgefühl mit der eigenen Person zu haben – dafür ist das Buch von Susan Cain vielleicht eine Hilfe:

Susan Cain: Still: Die Kraft der Introvertierten (Taschenbuch) 

Sie beschreibt eindringlich die Nöte der „Stillen im Lande“ und stellt andererseits ihre Stärken ausführlich dar.  Wieso das auch ein „Selbsthilfebuch“ ist,  zeigen sehr schön die Leserrezensionen bei amazon, z.B. :

„Wer sich schon immer fragte, wieso er/sie
– lieber allein auf dem Balkon sitzt, statt ins Schwimmbad zu gehen
– Partys nicht so wirklich genießen kann
– nicht so eine große Clique hat wie andere
– nach einem Tag im Großraumbüro völlig fertig ist
– laute Gespräche, Musik, etc. nur eine gewisse Zeit lang aushält
– das „Lampenfieber“ trotz fleißigen Übens vorm Reden/Referate/Vorträge/… halten nicht in den Griff bekommt
– tief gehende Gespräche oberflächlichem ‚Small Talk‘ vorzieht
– das Gefühl hat, sich ständig verstellen zu müssen
– mehr hört als andere
– und so weiter und so fort
sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Wissenschaftlich hinterlegt und dennoch lebensnah öffnet S.Cain neue Perspektiven für alle stillen, ruhigen, introvertierten Menschen. Sie verdammt dabei die Extraversion nicht, sondern plädiert für ein gegenseitiges Verständnis.“

Kristin Neff: Selbstmitgefühl

Wenn der Druck zur Selbstoptimierung zu hoch ist, innere und äußere Anforderungen kaum noch zu erfüllen sind, ist Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl so wichtig. Kristin Neff,  Professorin für Psychologie in Austin/TexSelbstmitgefühlas, widmet dem Thema ein ausführliches Buch. Sie will uns helfen, aus der Falle überzogener Selbstkritik herauszukommen.  Das Buch bietet eine Fülle von Achtsamkeitsübungen und Anregungen, sich selbst freundlich zu behandeln und so mehr Stabilität und Stärke zu erlangen. Kristin Neff spart nicht mit Beispielen aus dem eigenen Leben, was man mögen kann, aber nicht muss. Eine Leserrezension bei amazon „Kann das Buch allen empfehlen, die mit sich selbst freundlicher und liebevoller umgehen lernen möchten und passende Übungen suchen )! Die Autorin schreibt sehr klar, unkompliziert und persönlich, was mich wirklich berührt und meine Motivation gesteigert hat, das Thema ernsthaft weiter zu verfolgen. Spannend zu lesen, einleuchtend und äußerst hilfreich um ein wenig mehr Freundlichkeit in die (Berufs-)Welt zu tragen und den „groben Kasernen-Drill-Ton“ (mit dem wir uns innerlich auch selbst oft quasi ohrfeigen) endlich etwas langfristig entgegen zu setzen.“Bild-029.jpg